Stadthaus am Mügelsberg

Stadthaus am Mügelsberg

Bauherr: privat

BGF: 425 m2

Kosten: KG 300-400 Brutto 750.000€

Bauzeit: 2015 bis 2016

Typ: Büro und Wohnhaus

Auszeichnungen

2017

BDA Preis


Idee/Konzept
Unsere Ausgangsidee war es, unabhängig von einem konkreten Bauplatz ein Gebäude ins Stadtgefüge zu implementieren, welches einerseits unser persönliches Bedürfnis nach Vereinbarkeit von Beruf, Familie und Freunden berücksichtigte sowie andererseits das Potential barg, ein lebendiger und innovativer Teil der Stadt zu sein.
Wir wollten einen Ort schaffen, der sowohl Ankerpunkt ist, als auch die Flexibilität besitzt sich modernen Veränderungen anzupassen. Nach langer Suche ergab sich die Möglichkeit gemeinsam mit einer befreundeten Architektin ein Grundstück in der erweiterten Innenstadt von Saarbrücken zu erwerben, das unseren Vorgaben ein „Stadthaus“ zu bauen, gerecht werden konnte.

Städtebauliche Situation
Das „Stadthaus“ liegt im Bereich der Innenstadt von Saarbrücken, in einem Quartier, welches durch die großzügige Grünanlage des Echelmeyer-Parks mit seinem alten Baumbestand bestimmt wird. In der Mitte des Parks befindet sich die Kirche St.Michael, die Parkränder sind gesäumt durch Schulen, Kita und unterschiedlichste Wohnbebauungen. Diese Situation kommt dem städtebaulichen Idealbild von Urbanität sehr nahe; öffentliche Grün- und Freiräume, Nutzungsmischung an den Rändern, sowie die Verschmelzung von öffentlichen und privaten Bauten generieren eine heterogene, soziale, als auch kulturelle Synthese von Bewohner und Nutzer.
Unser „Stadthaus“ bildet den Abschluss der nördlichen Blockrandbebauung am Park und steht in direkter Nachbarschaft zum denkmalgeschützten Ensemble der technischen Berufsschule. Der einseitig angebaute Gebäudekörper bildet mit der zum Park hin ausgerichteten Südfassade die Eingangssituation, öffnet sich zur Westseite hin zum Schulhof der Berufsschule und schließt mit einem Garten an der Nordfassade ab.

Grundriss
Aus einer fast quadratischen Grundfäche heraus baut sich das Gebäude über fünf Geschosse würfelartig auf.
Das Erdgeschoss sowie das 1.Obergeschoss sind über eine interne Erschließung direkt verbunden und bilden zusammen eine Büroeinheit mit Sekretariat, Besprechungsraum sowie einer Teeküche. Außer der statisch erforderlichen Wandscheibe in der Gebäudelängsachse sind keine weiteren gliedernden Elemente in der Raumstruktur vorhanden. Dadurch wird die Raumkontinuität gewahrt und zudem durch die geschossübergreifende Raumabfolge eine erleichterte Kommunikation sowie fließende Arbeitsabläufe gewährleistet.
Im 2.Obergeschoss befindet sich die erste Wohneinheit. Ein offener Grundriss generiert einen großzügigen Wohnraum, der durch multifunktionale Räume und einen Balkon ergänzt wird.
Die Wohneinheit im 3.und 4. Geschoss komplettiert die Nutzung. Im 3.Obergeschoss befinden sich großzügige Kinder- sowie Schlafzimmer mit Bädern. Das 4.Obergeschoss bildet mit der im Süden vorgelagerten Loggia eine "Wohnraumeinheit" mit Panoramablick durch die großzügige Verglasung Richtung Norden und Süden.
Die Grundrisskonzeption kann jederzeit variabel verändert werden. Eine Abtrennung des EGs vom 1. OG in zwei getrennte Einheiten ist jederzeit realisierbar, wobei entweder zwei neue Wohneinheiten oder auch zusätzliche Gemeinschaftsräume wie beispielsweise Gästezimmer oder Küchen denkbar wären.

Konstruktion/ Material
Die Fassade des Gebäudes besteht aus 50 cm starken Leichbetonwänden. Sie erfüllen die geforderten EnEv Maßstäbe und bieten darüber hinaus besonders viel Speichermasse sowie ein natürliches und gesundes Raumklima.
Zur Schalung der Außenwände wurde außen eine rauhe horizontale Bretterschalung angefertigt, wobei die Betonierabschnitte stockwerkübergreifend geschalt wurden. Die Geschossdecken wurden mithilfe von Ankern im Stahlbeton befestigt.
Im Innern kam eine glatte großformatige Rahmenschalung zum Einsatz, wodurch sich innen und außen zwei differenzierte Fassadenstrukturen ergaben. Während im Innenraum das Material mit seinen Verarbeitungsspuren aus Verdichtung, Rütteln und Setzungen ein Bild zeichnet, steht außen der monolitsche Baukörper mit den horizontalen Fugen der Schalung im Vordergrund.
Alle Fensteröffnungen sind so konzepiert, dass sie außen bündig mit dem Beton abschließen und innen einen umlaufenden, wandstarken Eichenrahmen bilden, der Rahmen wirkt ergänzend zum Innenraum und kann als Sitz- und Spielflächen genutzt werden. Die Ausbauten und Wandverkleidungen sind aus geölten Holzdreischichtplatten.
Alle Materialien und Oberflächen wurden so gewählt, daß ihre Konstruktion sowie Materialität erkennbar sind. Bei denTreppenläufen handelt es ich um schlichte Betonfertigelemente, deren Oberfläche geölt ist.