Tempelhofer Freiheit

Tempelhofer Freiheit

Auslober: Land Berlin

Wettbewerbszeitraum: 2012

Typ: Objektplanung Ingenieurbauwerke / Tragwerksplanung

Städtebauliches Konzept


Das Gelände des ehemaligen Flughafens Tempelhof nimmt seit mehreren Generationen eine Sonderstellung im Stadtgefüge Berlins ein. Durch die frühe militärische Nutzung des Areals als Exerzier- und Paradeplatz und die
anschließende Nutzung des Geländes als Flughafen, war das Gelände stets von der städtebaulichen Entwicklung der wachsenden Stadt im Bezug auf Bebauung und Erschliessung ausgeschlossen. Tatsächlich bedeuteten diese Nutzungen eine Abkapselung des riesigen Geländes vom angrenzenden Stadtgefüge. Daher fand die Stadtentwicklung um das Areal herum statt, wobei diese Entwicklung ihrerseits Strukturen schaffte, die zur Isolierung des Gebiets beitrugen. So wird das Gebiet heute an seinen Rändern unterschiedlich genutzt und abgegrenzt. Im Süden verlaufen die Autobahn A100 und der S-Bahnring, im Nordwesten stehen die ehemaligen Flughafengebäude und im Osten reichen die Wohnbebauungen Neuköllns bis an das Rollfeld heran. Nur im Norden scheint der Stadtraum mit dem Areal verknüpft zu sein. Die Grünfl.chen des Volksparks Hasenheide scheinen die Freiflächen des Flughafengebiets zu ergänzen, allerdings wird diese Zone durch den Columbiadamm zerschnitten. Die Integration der als Park- und Erholungsraum geplanten Flächen mit ergänzenden Nutzungen an den Randbereichen, in das gewachsene Stadtgefüge wird über die wenigen neu zu schaffenden Verknüpfungspunkte erreicht werden müssen. Es sind Verbindungen, die eine funktionierende, nutzbare Struktur schaffen sollen, ohne die alte und neuere Geschichte und den Charakter des Ortes zu verdrängen. Die langjährige Flughafennutzung und vor allem die Bedeutung des Flughafens nach dem Zweiten Weltkrieg während der Isolierung Berlins vom Bundesgebiet, lassen es nicht nur naheliegend, sondern auch legitim erscheinen, Motive und Bilder zu kreieren, die zu dieser Funktion Stellung nehmen. Die Brücke als Sinnbild zur Verknüpfung zweier Orte oder Überwindung von Distanzen legt die Übertragung des Motivs auf Flugzeuge nah. Die Brückenkonstruktion erinnert mit ihren zwei aufstrebenden Hauptträgern an Flugzeugleitwerke. Diese sind allerdings deformiert, gedungen und verdreht. Durch die Überformung des Motivs, erhält die Brücke einen individuellen Charakter und eine genaue Verortung.

Konstruktionskonzept


Die neue Brücke am Tempelhof wurde entsprechend der örtlichen Situation optimiert. So wurde die Einspannung auf der rechten Seite über die Fahrbahn gelegt. Dadurch kann der Zug aus der entstehenden Rahmenecke mit effektiven Stahlelementen hergestellt werden. Gleichzeitig wird diese Seite auf Pendelstäben gelagert, die die Temperaturverformungen kompensieren können. Lager die einer Wartung unterzogen werden müssen befinden sich auf dieser Seite. Die Einspannung auf der linken Seite wird über massive Stahlhohlkästen, die über Einbauteile im Massivbau eingespannt sind, ermöglicht. Hier befinden sich keine Lager. So entsteht eine effektive Rahmenbrücke, die wirtschaftlich aber auch von Ihrer Zeichenhaftigkeit überzeugend ist. Die Herstellung der Brücke erfolgt so, dass zunächst die zwei Hauptträger eingehoben werden und anschließend die weitere Konstruktion über dem laufenden Bahnbetrieb errichtet werden kann. Die Entwässerung erfolgt im wesentlichen auf der Seite der Pendelstäbe über eine Rinne.

Beschreibung von Konstruktion und Materialien

Die beiden Hauptträger sind aus Baustahl geschweißte Hohlprofile, die in der Werkstatt gefertigt werden und vor Ort eingehoben werden. Die Querträger sind handelsübliche Doppel T-Profile, die zwischen den Hauptträgern im Abstand von 3,75m liegen und mit der Stahlbeton der Fahrbahnkonstruktion einem Verbundträger darstellen. Die Querträger an den Außenseiten unterliegen dem gleichen Herstellungs- und Konstruktionsprinzip. Die Profile der Querträger werden an den Enden durch Verankerungsplatten und Stahlschwerter ergänzt, die als Brüstungskonstruktion dienen. Die Oberfläche der Hauptträger wird nach Verschleifung der Schweißnähte und Stoßfugen, mit Korrosionsschutz behandelt und anschließender mit einer hellen und glänzenden PU Beschichtung vor Ort behandelt.

Aussagen zur Wirtschaftlichkeit

Das gewählte Konstruktionsprinzip der Rahmenbrücke aus Stahl ergänzt mit einer Verbundplatte stellt ein äußerst ökonomisches System da. Die zwei Hauptträger liegen konstruktiv günstig jeweils zwischen der Fahrbahn und dem Gehweg, auf diese Weise können sehr geringe Profilstärken und Dimensionen für die Querträger und die Verbunddecke verwenden; des Weiteren ist der Verlauf der Hauptträger in der Weise optimiert, dass er dem Lichtraumprofil der Bahn folgt und damit möglichst kurze Spannweiten und Höhen ermöglicht. Die Möglichkeit der Vorfertigung der meisten konstruktiven Teile im Werk begünstigt eine kurze Einbauzeit und dem zu Folge auch kurze Sperrfristen für den Bahnverkehr, dieses trägt zu einer weiteren Kostenminimierung bei.