Konzerthaus Nürnberg

Konzerthaus Nürnberg

STÄDTEBAULICHES KONZEPT


Die städtebauliche Situation ist charakteristisch für den Übergang von einer offener „suburbanen“
Struktur zu einen dichten, geschlossenen urbanen Struktur. Die vierspurige Münchenerstraße dient
als Einfallstraße ins Zentrum, die Schultheißallee wirkt wie eine Ringverbindung und stellt durch die
ergänzende Straßenbahn eine breite Zäsur zum Innenstadtbereich dar. Der Kreuzungspunkt dieser
dominanten Achsen hat keine urbane Qualität oder Zuordnung und erfüllt eigentlich nur die Funktion
des Verkehrsraums. Die Meistersingerhalle liegt abgehängt im Park jenseits der innerstädtischen
Struktur, ihre baulichen Volumen sind zwar groß, aber betten sich geschickt in die Parklandschaft ein,
und können daher die städtebauliche Konfguration nicht entscheidend prägen.


Die überregionale Bedeutung der Meistersingerhalle und ihre Bedeutung für die Stadt Nürnberg
verlangen allerdings eine eindeutige und unverwechselbare städtische Situation. Die neue
Konzerthalle steht unmittelbar am Kreuzungspunkt der beiden Verkehrsachsen, fasst und prägt den
städtischen Raum. In Ergänzung mit dem vorhandenen Gebäudevolumen der Meistersingerhalle kann
das neue Konzerthaus dem städtischen Raum jetzt entscheidend Charakter und Klarheit verleihen.
Betrachtet man das ergänzte Ensemble von der Schultheißallee, dann spannt sich zwischen dem alten
Eingangspavillon und dem neuen Konzerthaus ein Vorplatz auf, der beiden Gebäudeteilen dient, er ist
gemeinsamer Erschließungshof und Verteiler.


Gebäude intern tritt ein weiteres verbindendes Gebäudeelement auf; das imposante Foyer der
Meistersingerhalle wird im neuen Gebäude fortgeführt und durch eine große Treppenanlage mit dem
Bestand unterirdisch verbunden. So entsteht eine Kammstruktur, wobei das Foyer als Rückgrat und
Verteiler in die Konzert- und Konferenzsäle dient. Die Gebäude sind auf diese Weise funktional
miteinander verbunden, bleiben aber dennoch von Außen als eigenständige, souveräne Baukörper
bestehen.


Der Eingang des neuen Konzerthauses liegt unter dem Konzertsaal und wird über eine großzügige
Rampen- und Treppenanlage erschlossen, die an den neuen Vorplatz anbindet.
Es entsteht eine eindeutige und außergewöhnliche Eingangsgeste, die die gesamte Gebäudeform
transformiert. Aus einem ordinären rechteckigen Gebäudevolumen wird durch die Geste des
Anhebens ein spannungsvoller, unverwechselbarer Bau. In dem Maßen wie sich der Körper vorne
hebt, senkt er sich zum Park/ Hotel in die Landschaft. Der Besucher wird also unter das Gebäude
geführt, er verlässt seine gewohnte Perspektive indem er seine „Alltagsebene“ verlässt und sich in
eine neue Welt begibt. Einmal im Gebäude angekommen wird er über große Treppenanlagen in
höhere Ebenen in die Foyerbereiche geführt. Die Bewegung führt ihn entlang der Gebäudeaußenwände
in einer Spiralform nach oben, und er erfährt einen weiteren Perspektivenwechsel. Er betritt den
Konzertsaal über dessen Stirn- oder Längsseite und vollendet die Bewegungsform der Spirale.


Andienung und Künstlerfoyer liegen zum Park und Hotel orientiert ohne Kreuzungspunkte zum
Zuschauer, Es entwickelt sich eine ähnliche Vorplatzsituation wie zu Vorderseite.

FASSADE


Für die Gestaltung der Fassade waren zwei Aspekte maßgeblich. Einerseits sollte ein Gebäude einstehen, das dem Betrachter auf Grund seiner Materialität und Präsenz seine Funktion und seine kulturelle Bedeutung verdeutlicht ohne aber dabei das vorhandene Gebäude der Meistersingerhalle in den Schatten zu stellen. Vielmehr soll das Bild eines Auftaktes entstehen, das beide Gebäude miteinander verbindet, analog der inneren Verbindung.
Die tragende Stahlskelettstruktur liegt sichtbar hinter der gläsernen Gebäudehülle. Alle vier Fassadenansichten werden nach demselben Prinzip gestaltet; von opaken, geschlossene, opake Glasfächen am oberen Gebäuderand entwicklen sich über einen Verlauf nach unten zu fast transparenten Flächen. Der höchste Grad der Transparenz wird in der leuchtenden klaren Eingangs- Foyersituation erreicht.
Die opake Wirkung erhalten die Gläser durch eine helle Farbbedruckung auf der Außenseite der großformatigen Scheiben. Die Dachhaut aus den gleichen opaken Gläsern liegt hinterlüftet auf der massiven Deckenplatte. Die Unterseite des Konzertsaals wird als Lichtdecke ausgeführt.

KONSTRUKTIONSPRINZIP


Das Konzerthaus ist prinzipiell ein einfach kubischer Baukörper, der durch eine seine Transformation erhält. Diese Transformation bewirkt, dass der Körper nicht mehr fächig aufsteht, sondern auskragt. Die Tragkonstruktionen der auskragenden Gebäudekubatur im Bereich der äusseren Hülle werden als Stahl – Stabwerksstrukturen ausgebildet. Der Konzertsaal wird als Stahlbeton – Massivbau – Konstruktion, insgesamt federnd gelagert, nach dem Haus-in-Haus-Prinzip in die Kubatur eingestellt. Horizontale Tragkonstruktionen ( Decken, Dächer ) werden höhenreduzierend als Stahl – Stahlbeton – Verbundkonstruktionen ( Trägerroste ) realisiert.