Gemeinschaftsschule Neunkirchen Stadtmitte

Gemeinschaftsschule Neunkirchen Stadtmitte

Städtebau:

Die Lutherstraße ,ehemals Viktoriastraße, schon um 1900 mit dem Lyceum und der Viktoriaschule ein Schul-Standort, wird durch die Platzierung des Neubaus wieder in den historischen Kontext der wichtigen Achse zur Christuskirche gerückt. Die Westfassade der Obergeschosse ragt über das Erdgeschoss aus und nimmt damit die Gebäudeflucht der gegenüberliegenden Bebauung auf. Somit entsteht eine wichtige Einfassung des Platzes bei der Christuskirche. Die Einschnitte im Volumen des Gebäudes dienen der Kommunikation mit der Umgebung, sowohl im baulichen als auch im Sinne derNutzung.ImErdgeschosswirddieEingangssituation betontundeintrockenerPasuenraumfür die Schüler geschaffen.

Durch den kompakten ‚Footprint‘ des Gebäudes und der Unterbringung der Parkplätze auf dem Zusatzgrundstück wird genug Raum geschaffen um attraktive Aussenanlagen für die Schüler in den Pausen und dem Sportunterricht zur Verfügung zu stellen.

Gebäudekonzept:

Das Erdgeschoss stellt den ‚öffentlichen‘ Bereich der Schule dar. Foyer / Aula mit angegliederter Mensa öffnen sich großzügig zum Schulgelände und sind für größere Veranstaltungen zusammen- schaltbar (600,00qm). Der Ganztagsbereich für die Nachmittags- Betreuung liegt direkt an diesen großzügigen Räumen und kann diese mit nutzen. Eine große Freitreppe im Luftraum des Foyers führt in das 1. Obergeschoss. Im 1. OG befindet sich am Austritt der Treppe ein kleiner Pausenflur mit Ausgang in den höher gelegenen Aussenbereich des Schulgeländes und einem großzügigen Fenster das eine Blickbeziehung zur Sporthalle herstellt. Diese Ebene ist die Verteilerebene auf der sich die Schüler auf die Treppenhäuser verteilen, die zu ihren Clustern führen. Sonderfunktionen wie Verwaltung und Fach- Unterrichtsräume unterstreichen die Verteilerfunktion dieses Stockwerks.

Volumen:

Die Einschnitte im Gebäude haben unterschiedliche Funktionen. Der Einschnitt im Erdgeschoss auf der Westseite erweitert den öffentlichen Raum ‚unter das Dach‘ der Schule, ebenso wie der Einschnitt EG Nord definiert er den Eingangsbereich der Schule. Der Luftraum im Zentrum des Gebäudes ist das vertikale Bindeglied zwischen den Geschossen und ermöglicht vielfältige Blickbezüge zwischen den einzelnen Gebäudeteilen. Die Patios, im Gegenzug, sind ein Ort der Ruhe und des Rückzugs. Sie ermöglichen ein entspanntes und konzentriertes Lernen an der frischen Luft. Ausserdem erfüllen sie eine klimatische Funktion als Kamin der im Sommer zur Abführung der warmen Luft aus dem Innenbereich dient. Der Einschnitt der Nordfassade im 2. und 3. Obergeschoss dient der Erweiterung der Unterrichts- Möglichkeiten ins Freie. Sowohl ein Werkhof wie zwei grüne Klassenzimmer finden hier Platz.

Cluster:

Die sechs Jahrgänge sind auf den zwei oberen Etagen verteilt. Die 5. und 6. Klasse sind im 2. Obergeschoss untergbracht, lediglig Fach-Unterrichtsräume sind noch auf diesem Geschoss. Die weiteren Jahrgänge sind in der obersten Etage unter- gebracht. Jeweils zwei Cluster gruppieren sich um einen der beiden Patios und sind so angeordnet dass die einzelnen Jahrgangscluster nicht von anderen Schülern gequert werden müssen. Die Gruppenräume sind offen gestaltet und liegen an der so genanten ‚Teamzone‘ die als frei nutzbarer Kreativ-/ Auf- enthaltsraum dient. So entsteht innerhalb der Jahrgänge eine Identifikation mit dem Ort Schule, die Schüler haben eine Adresse und die Verbindung mit der Schule geht über das reine Lernen hinaus, sie wird zum Ort des Aufenthalts, der Kommunikation und des gemeinsamen Lernens. Die Architektur ist somit der dritte Pädagoge.

Fassade / Materialität:

Im Kontext der industriell geprägten Vergangenheit der Stadt Neunkirchen wird als Fassadenmaterial ein Klinker oder Klinkerriemchen ausgewählt der in seiner Farbigkeit auf den Sandstein bei den Gebäuden in unmittelbarer Umgebung (Gebäude Eingang Viktoriastraße und Christuskirche) reagiert. Das Material gewährt eine Langlebige und Wartungsarme Gestaltung der Fassade was im Bezug auf Unterhaltungskosten positiv zu bewerten ist. Die Fenster in der Fassade betonen sowohl in ihrer Struktur als auch der Lage in der Fassade die dahinter liegenden Funktionen. Die Festvergalsung sitzt innen- bündig zum Wandaufbau der Aussenwand, die Öffnungsflügel springen vor und sind mit einem Mash überdeckt der gleichzeitig als Sonnenschutz und Absturzsicherung dient. Die Fest- verglasungen erhalten als aussenliegenden Sonnen- schutz einen Zipscreen.

Energetisches Konzept:

Der Entwurf weist durch seine Kompaktheit ein sehr gutes A/V- Verhältnis aus. Die Ausrichtung des Dachgartens auf der Nord- seite verhindern ein Überhitzen des Gebäudes im Sommer durch unerwünschte solare Einträge. Der passive Wärmeschutz wird durch den aussenliegenden Sonnenschutz, die Kaminwirkung der Patios zur Entlüftung im Sommer und eine mineralische Dämmung erzielt. Auch die Dachfenster über dem Luftraum können im Sommer geöffnet werden. Erneuerbare Energien sind im Kontext des Heizkonzeptes zu betrachten, auszugehen ist von einer Flächenheizung in Kombination mit kontrollierter Raumlüftung. Vorstellbar wäre die Kombination Wärmepumpe / Brennstoffzelle und Photovoltaik mit zusätzlicher Solarthermie zur Warmwasserbreitung im Sommer. Die vorgesehene meschanische Raumlüftung wird mit einer Wärmerückgewinnung ausgestattet. Effizienzhaus 40 Plus ist das angestrebte Ziel.

Aussenraum:

Der Aussenraum ist funktional in 3 Bereiche gegliedert: Sport - Spiel - Aufenthalt, und erstreckt sich auf zwei unterschiedlichen Gelände-Niveaus. Die Sportstätten können im Sommer im Sport- unterricht genutzt werden, sind aber in der Pause den Schülern ebenso frei zugänglich. Ein Sportgeräteraum auf der Ebene des oberen Aussengeländes, der von aussen zugänglich ist, er- möglicht einen abwechslungsreichen Sportunterricht im Freien. An dem Hang zwischen den beiden Niveaus befindet sich der ‚Spielhang‘ mit verschiedenen Spielgeräten für die jüngeren Schüler. Zusätzlich zu den erhaltenen Platanen auf dem Schul- gelände werden weitere, einheimische Baumarten gepflanzt, die als Schattenspender im Sommer dienen. Vor der Schule sind Fahrradständer angeordnet, zur Straße ein Park-/ Grünstreifen mit der Fortsetzung der Alleebepflanzung. Alle Materialen und Möbel sind robust und Vandalismussicher.